Vier Empfehlungen, die du schnell und wirksam nutzen kannst
Heute ist der 08. März. Ein guter Tag, um diesen Beitrag zu schreiben, der sich richtet an all die hoch kompetenten Frauen, die große Dinge leisten – sich aber ungern damit zeigen.
Für diesen Beitrag brauche ich keine Studienlage. Ich erlebe diese Lage live und in Farbe, Woche für Woche, im Gespräch mit Frauen, die ich im Coaching begleiten darf. Sie sind kompetent und gut ausgebildet, sie meistern krasse Projekte und Aufgaben, sie kümmern sich um ihre Kinder, einige davon viele Jahre allein.
Warum kommen sie zu mir? Die Zahlen haben wir heute gehört. Frauen beziehen 16 Prozent weniger Gehalt als Männer in vergleichbaren Positionen, rund 30 Prozent weniger Rente, leisten dabei 54 Prozent mehr Care Arbeit. Sie werden bei Beförderungen übergangen, von Chefs härter kritisiert als ihre männlichen Kollegen oder bei hervorragenden Präsentationen von ihren Kollegen sogar abgewertet.
(Disclaimer: Ich selbst hatte das Glück, auch mit großartigen und fairen Kollegen zu arbeiten. Und zugleich weiß ich aus eigener Erfahrung, dass es mitunter seltsame Dynamiken gibt.)
Die Ursachen dafür liegen tief in den Strukturen unserer Gesellschaft: in der „braven Mädchen“-Erziehung, in patriarchalen Strukturen mit Führungsriegen, in denen noch immer mehr Michaels und Thomasse sitzen als Frauen. Dass sich diese Strukturen verändern, ist wichtig. Und ich hoffe sehr, dass viele Menschen daran arbeiten.
Mein Fokus liegt woanders. Ich bin Coach. Ich arbeite mit Frauen und Männern, die als Führungskraft oder Teamleiter*in viel Verantwortung tragen. Heute, am 08. März, aber geht es um die Frauen. Die kompetent sind, klug, engagiert – und die lernen wollen, ihre Kompetenz klarer zu zeigen, sich zu positionieren, Grenzen zu setzen und ihren Platz einzunehmen.
Hier möchte ich Empfehlungen teilen, die sich auch ohne Coaching schnell und wirksam nutzen lassen. Vielleicht ist auch für dich etwas dabei:
Erfolge erkennen: Wenn die Liste ein kompletter Business Plan ist.
Der erste Schritt ist das klare Bewusstsein über die eigenen Leistungen. Viele kompetente Frauen sehen ihre Leistung als selbstverständlich. Sie erledigen komplexe Aufgaben, lösen Probleme, tragen Verantwortung – und sagen mir: „Da habe ich verschiedene Listen gemacht.“
Der Chef freut sich – und beauftragt den Aufbau der Forschungsabteilung. Die promovierte Wissenschaftlerin hatte mit den Listen den Business Plan so ganz nebenbei erstellt, Großes geleistet, aber nicht benannt.
Sichtbarkeit beginnt damit, den eigenen Beitrag ernst zu nehmen und entsprechend zu benennen: Das ist kein Selbstmarketing. Das ist Positionierung und die darf sein. Nicht laut, nicht marktschreierisch, aber klar.
Die Blockade auflösen und sich erlauben, groß zu sein
Im Coaching mit einer erfolgreichen Rundfunkjournalistin wurde schnell klar: Ihr fehlte es weder an Erfahrung noch an Wissen oder Fähigkeit. Es fehlte ihr an einer inneren Erlaubnis.
Der stärkende Satz, der für sie den Unterschied machte, lautete: „Ich erlaube es mir, groß zu sein.“
Und plötzlich ging vieles leichter. Nein sagen. Position beziehen. Den eigenen Standpunkt vertreten. Was vorher schwer erschien, ließ sich auf einmal klar und kraftvoll umsetzen.
Manchmal ist genau das der Wendepunkt: Nicht noch mehr lernen. Nicht noch besser werden. Sondern die eigene Größe sehen – und sie sich erlauben.
Und ja, manchmal sage ich mir diesen Satz auch selbst.
Reframing: Statt Selbstmarketing – Orientierung geben
Viele Frauen leisten enorm viel und sprechen wenig darüber. Sie arbeiten gründlich, lösen Probleme, bringen Projekte voran. Und gehen dann zum nächsten Thema über.
Weil sie denken, dass gute Arbeit für sich spricht. Und weil sie einen inneren heftigen Widerstand gegen Selbstmarketing verspüren. Doch Organisationen funktionieren anders.
Wenn eine Führungskraft nicht sagt, woran sie arbeitet, was gelungen ist oder welchen Beitrag sie leistet, fehlt etwas Wichtiges: Orientierung. Die Kolleg*innen müssen verstehen: Woran arbeitet diese Person? Wofür steht sie? Wofür kann ich sie ansprechen?
Viele Frauen haben hier ein Muster: Sie arbeiten hervorragend, halten aber ihre eigene Leistung eher im Hintergrund. So, als wäre es unangenehm, zu viel Raum einzunehmen.
Auch ich kenne dieses Gefühl in der kurzen Gesprächslücke, in der ich etwas zu meiner Leistung sagen könnte, und sage oft lieber mal – nichts.
Doch genau hier liegt ein einfacher Hebel. Ein Satz reicht oft schon: „Ich arbeite gerade an einem Konzept für …“ „Mein Fokus in diesem Projekt liegt auf …“ „Diesen Teil habe ich verantwortet.“
Wer Orientierung gibt, macht nicht sich selbst größer, sondern hilft anderen zu verstehen, wo Kompetenz zu finden ist.
Mentoring, Coaching & Co
Ein weiterer Hebel, den ich jeder Frau empfehlen möchte, lautet: sich Unterstützung holen.
Viele Frauen sind hervorragend darin, Verantwortung zu übernehmen, Probleme zu lösen und Dinge alleine zu stemmen. Das ist beeindruckend – und manchmal auch unnötig anstrengend.
Daher habe ich großen Respekt vor Frauen, die sich bewusst entscheiden, nicht alles alleine herausfinden zu müssen. Die sich ein*e Mentor*in suchen, um sich ehrliches Feedback, Ideen und Ermutigung für Schritte zu holen, die man sich alleine noch nicht ganz zutraut.
Und ich feiere Frauen, die in sich investieren. Die eine Fortbildung machen oder – jetzt kommt der Werbeteil – die sich Coaching gönnen. Die sich Zeit nehmen, über ihre Rolle, ihre Wirkung und ihren nächsten Schritt nachzudenken.
Nicht, weil sie nicht gut genug sind. Sondern weil sie verstanden haben, dass Entwicklung kein Zufall ist, sondern eine Entscheidung.
